Abhängigkeit von Schlaftabletten

Wie Bildschirme und blaues Licht vom Handy unseren Schlaf beeinflussen

Geschätzte Lesedauer: 3:50 Min.

Machen Schlaftabletten abhängig? Diese Frage stellen sich viele Menschen, die schnelle Hilfe bei Schlafproblemen benötigen. Oft suchen sie gezielt nach Schlaftabletten, die nicht abhängig machen. Die Antwort hängt vom Wirkstoff ab: Nicht jedes Schlafmittel birgt das gleiche Risiko für eine Abhängigkeit oder Gewöhnung. Dieser Ratgeber erklärt, worin sich Abhängigkeit, Gewöhnung und eine falsche Daueranwendung unterscheiden und worauf Sie bei Wirkstoffen wie Doxylamin, Melatonin oder pflanzlichen Alternativen achten sollten.

Kurz und knapp

  • Abhängigkeit von Schlaftabletten: Ob Schlaftabletten abhängig machen, hängt stark von der jeweiligen Wirkstoffgruppe ab.
  • Doxylamin gilt nicht als klassischer Suchtstoff, sollte aber nur kurzfristig angewendet werden.
  • Melatonin macht nach aktuellem Kenntnisstand nicht abhängig, da es kein klassisches Sedativum ist, sondern den körpereigenen Schlaf-Wach-Rhythmus reguliert. Es besteht daher auch kein bekanntes Gewöhnungspotenzial im Sinne einer Toleranzentwicklung.
  • Pflanzliche Wirkstoffe wie Baldrian, Hopfen, Passionsblume gelten ebenfalls als nicht abhängig machend. Ihre Wirkung ist meist milder, weshalb bei manchen Präparaten auch die subjektive "Gewöhnung" im Sinne eines nachlassenden Effekts diskutiert wird, eine körperliche Abhängigkeit ist aber nicht belegt.
  • Bei anhaltenden Schlafproblemen: Ursachenklärung statt dauerhafter Selbstmedikation.

Selbsteinschätzung: Was ist Ihnen bei einem Schlafmittel am wichtigsten?

Wann machen Schlaftabletten abhängig?

Nicht jedes Schlafmittel verursacht eine Abhängigkeit. Entscheidend dafür ist die Wirkstoffgruppe. Bestimmte verschreibungspflichtige Schlaf- und Beruhigungsmittel sind nur für eine kurzfristige Anwendung gedacht, da sie ein relevantes Abhängigkeitsrisiko bergen können. Auch bei frei verkäuflichen Schlafmitteln gilt: Selbst ohne klassisches Suchtpotenzial ist eine Anwendung über einen längeren Zeitraum meist nicht empfehlenswert. 
Für die Praxis bedeutet das: Wer über mehrere Tage oder Wochen immer wieder zum Schlafmittel greift, sollte nicht einfach das Produkt wechseln, sondern die Ursache der Schlafprobleme abklären lassen. 

Abhängigkeit ist nicht gleich Gewöhnung

Abhängigkeit beschreibt ein Suchtgeschehen mit dem starken, oft zwanghaften Drang, ein Mittel weiter einzunehmen. Abhängigkeit im Kontext von Schlafmitteln bedeutet vor allem, dass an Schlaf ohne Schlafmittel nicht zu denken ist. Gewöhnung meint dagegen, dass sich eine Routine einschleicht, bei der die Wirkung der Schlafmittel nach und nach abnimmt. In beiden Fällen bleibt das eigentliche Schlafproblem ungelöst.

Warum Daueranwendung problematisch ist

Oft werden Schlafmittel über Wochen oder Monate ohne klare Indikation eingenommen, während die eigentlichen Auslöser wie Stress, ein gestörter Rhythmus, Schmerzen oder psychische Belastungen unbehandelt bleiben. So wird das Mittel zur Routine, ohne dass das eigentliche Problem gelöst wird.

Welche Schlaftabletten machen abhängig?

Machen alle Schlaftabletten gleich abhängig? Nein, nicht alle Schlafmittel bergen das gleiche Risiko, die folgende Tabelle gibt einen Überblick über gängige Wirkstoffgruppen und ihr jeweiliges Abhängigkeitspotenzial.

Risiko Wirkstoffgruppe Anmerkung
+++ Benzodiazepine:
(Diazepam, Lorazepam, Temazepam, Flunitrazepam) 
Wirken stark beruhigend und angstlösend. Bereits nach 2 bis 4 Wochen regelmäßiger Einnahme kann sich eine körperliche Abhängigkeit entwickeln.
+++ Z-Substanzen:
(Zolpidem, Zopiclon, Zaleplon)
Wirken auf ähnliche Rezeptoren wie Benzodiazepine; Abhängigkeitspotenzial wird oft unterschätzt, besonders bei längerer Einnahme.
++ Antihistaminika
(Diphenhydramin, Doxylamin) 
Keine klassische körperliche Abhängigkeit, aber Gewöhnungseffekte und verminderte Wirkung möglich.
+ Melatonin Keine relevante Abhängigkeitsproblematik bekannt.
+ Pflanzliche Mittel: 
(Baldrian, Hopfen, Passionsblume)
Wirksamkeit oft begrenzt, dafür unbedenklicher im Hinblick auf Sucht.

Unterschiede zwischen Melatonin, Doxylamin und pflanzlichen Schlafmitteln

Eine Abhängigkeit von Schlafmitteln ist nicht ideal. Wer Schlaftabletten, die nicht abhängig machen, oder ein Schlafmittel ohne Gewöhnungseffekt sucht, sollte die Wirkstoffe und Inhaltsstoffe genau vergleichen. Rezeptfrei und mit geringem Risiko behaftet sind etwa Doxylamin, Melatonin und pflanzliche Produkte. Sie unterscheiden sich deutlich in ihrer Wirkweise und Wirkdauer: 

Melatonin

Melatonin ist ein körpereigenes Hormon, das den Schlaf-Wach-Rhythmus steuert. Als Präparat wird es vor allem bei Jetlag, Schichtarbeit oder altersbedingt verringerter körpereigener Produktion eingesetzt. Es wirkt eher regulierend auf den Schlafrhythmus als klassisch sedierend. Der Effekt ist meist milder als bei verschreibungspflichtigen Schlafmitteln. Ein Abhängigkeitspotenzial ist nicht bekannt, auch ein Rebound-Effekt beim Absetzen tritt in der Regel nicht auf. Nebenwirkungen sind selten und meist leicht (z. B. Kopfschmerzen, Tagesmüdigkeit).

Doxylamin

Doxylamin ist ein Antihistaminikum der ersten Generation und in vielen frei verkäuflichen Schlafmitteln enthalten. Es wirkt sedierend, da es im Gehirn die Histamin Rezeptoren blockiert. Eine klassische körperliche Abhängigkeit wie bei Benzodiazepinen ist nicht beschrieben, jedoch kann sich bei regelmäßiger Einnahme ein Gewöhnungseffekt einstellen, sodass die Wirkung nachlässt. Typische Nebenwirkungen sind Mundtrockenheit und Tagesmüdigkeit ("Hangover-Effekt").

Pflanzliche Schlafmittel

Baldrian, Hopfen und Lavendel zählen zu den pflanzlichen Schlafmitteln, die nicht abhängig machen. Sie wirken in der Regel milder und langsamer als chemische Präparate, die wissenschaftliche Evidenz für ihre Wirksamkeit ist im Vergleich begrenzt und uneinheitlich. Dafür gelten sie als gut verträglich, ein Abhängigkeitspotenzial ist nicht bekannt. Sie eignen sich eher bei leichten, vorübergehenden Schlafproblemen als bei stärkeren oder chronischen Schlafstörungen.

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Wie vermeidet man eine falsche Daueranwendung?

Wer Schlafmittel gezielt und kurzzeitig nutzen möchte, sollte sich an die empfohlene Anwendungsdauer halten und gleichzeitig die Ursachen der Schlafprobleme im Blick behalten. 
Generell gilt: Auch Schlafmittel, die nicht abhängig machen, ersetzen keine Ursachenklärung. Auf dem Weg zur passenden Lösung sollten Sie sich folgendes fragen:

  • Schlafe ich wegen Stress schlechter? 
  • Ist mein Rhythmus verschoben? 
  • Wache ich nachts wegen Schmerzen, Grübeln oder häufigem Harndrang auf? 

Immer hilfreich sind eine gute Schlafhygiene, regelmäßige Schlafenszeiten, weniger Bildschirmlicht am Abend und Entspannungstechniken. Halten die Beschwerden länger an, ist ärztlicher Rat wichtig.

So nehmen Sie Schlaftabletten richtig ein:

  • Verwenden Sie Schlaftabletten nur so kurz wie möglich. Benzodiazepine und Z-Substanzen idealerweise maximal 2 bis4 Wochen. Wenn möglich nur an Bedarfstagen und in der niedrigsten wirksamen Dosis, ohne diese eigenständig zu steigern.
  • Halten Sie sich genau an die Verordnung, kombinieren Sie das Mittel nicht mit Alkohol
  • Planen Sie mindestens 7 bis8 Stunden Schlafzeit ein, um Tagesmüdigkeit zu vermeiden.
  • Überprüfen Sie bei längerer Einnahme regelmäßig mit Ihrem Arzt, ob das Mittel noch nötig ist.
  • Setzen Sie es nie abrupt ab
  • Arbeiten Sie parallel an den Ursachen.

Wer ein Schlafmittel ohne Abhängigkeitsrisiko sucht, ist mit Melatonin oder pflanzlichen Präparaten wie Baldrian, Hopfen, Lavendel oder Passionsblume in der Regel besser beraten als mit Benzodiazepinen oder Z-Substanzen, auch wenn die Wirkung milder ausfällt.

Schlaftabletten sicher und bewusst einsetzen

Schlaftabletten können in akuten, kurzfristigen Situationen sinnvoll sein, sind aber für eine Dauerlösung bei chronischen Schlafproblemen ungeeignet. Besonders Benzodiazepine und Z-Substanzen sollten nicht länger als wenige Wochen eingenommen werden. Wer Anzeichen einer Abhängigkeit bei sich bemerkt, sollte das offen mit einem Arzt besprechen, ein eigenständiges abruptes Absetzen ist nicht empfehlenswert.

Der erste Schritt ist oft der schwerste. Aber es gibt niedrigschwellige Angebote, die weiterhelfen. Hilfe zu suchen ist dabei kein Zeichen von Schwäche, sondern der richtige Weg. Neben dem Hausarzt oder einer Suchtberatungsstelle vor Ort steht dafür auch die deutschlandweite Sucht- und Drogenhotline unter 01806 313031 zur Verfügung. Wer den Schritt zum Telefonat noch scheut, kann sich alternativ auch über die kostenfreie und anonyme Online-Beratung DigiSucht per Chat an Fachkräfte wenden. Weitere Beratungsangebote finden Sie beim Beauftragten der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen: Beratungsangebote des Drogenbeauftragten

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